St. Georgskirche - ein Rundgang

Von welcher Seite man sich auch dem Dorf Regelsbach nähert, das in einer Talmulde am gleichnamigen Bach liegt, immer fällt die Kirche mit ihrem spitzgiebeligen Turm auf, die alle anderen Häuser überragt und damit zu einem harmonischen Ortsbild beiträgt.

Regelsbach heute

Beim Näherkommen ist man erstaunt, dass die Torturmkirche von einer weit ausladenden Wehrmauer umfasst ist. Durch das wuchtige Torhäuschen, das zwar die Jahreszahl 1759 trägt, aber sicher aus der Erbauungszeit der Bewehrung im 15. Jh. stammt, betritt man den Kirchhof. Einige wenige Grabsteine erinnern daran, dass hier bis 1903 der Friedhof war.

Torhäuschen

Bedauerlicherweise wurde der obere Teil der einst 4 m hohen Wehrmauer 1873 abgetragen (mit behördlicher Genehmigung!), um die Steine für die Grundmauer des gegenüberliegenden Schulhauses zu verwenden. Das kleine Seitentürchen oben am Torhaus läßt die Höhe des einstigen Wehrganges erahnen. Bei den endlosen Kämpfen zwischen den Markgrafen von Ansbach und der Reichsstadt Nürnberg sowie den Verwüstungen im 30-jährigen Krieg bot diese Wehranlage der Dorfbevölkerung Schutz und Sicherheit.

Spitze des Kirchturmdaches

Beim Blick auf die Spitze des Kirchturmdaches weist uns die Wetterfahne mit dem züngelnden Drachen auf den Kirchenpatron St. Georg hin.

Ölberg

Der Gang um die Kirche führt uns an den auf der Ostseite der Sakristei befindlichen Ölberg. Wenn auch die Figuren sehr verwittert sind, so ist doch das kleine Sandsteinrelief in der Rundbogennische, das aus der Frühzeit der Kirche um 1480 stammt, bemer-kenswert.

Südeingang

Durch die spitzbogige Pforte an der Südseite, die übrigens früher der einzige Zugang zum Gotteshaus war, betreten wir das Kirchenschiff.

Innenraum der St. Georgskirche

Man ist überrascht von der Großräumigkeit und Helligkeit und der dezenten Farbgestaltung des Raumes. Vor allem die muldenförmige Decke, die 1747 eingebaut wurde, verstärkt diesen Eindruck. Der kraftvolle Rahmenschmuck, der 1757, zehn Jahre nach Einwölbung der Decke, aufgebracht wurde, zeigt schon die kunstvolle Verspieltheit des spätbarocken Rokoko.

Deckenbildnis

Das Deckenbild, auf dem die Himmelfahrt Christi dargestellt ist, wurde allerdings erst bei der Renovierung 1895 eingefügt.

Kartusche mit Inschrift

Mit der gleichen Ornamentik aus Ranken und Muschelwerk ist die über dem Chorbogen angebrachte Kartusche gestaltet. Die lateinische Inschrift verrät uns, dass der Nürnberger Patrizier Eberhard Ebner diese „Pfarrkirche samt allen Einkünften“ im Jahre 1295 dem Klarakloster in Nürnberg geschenkt hat. Mit dieser Schenkung erfolgte zugleich die erste urkundliche Erwähnung der Kirche. Der Bischof von Würzburg, in dessen Bistum Regelsbach lag, musste diese Besitzübergabe mit der auch das Patronatsrecht (Besetzung der Pfarrstelle) verbunden war, bestätigen.

Wappenkartusche

Die Wappen über der Kartusche, ebenfalls verziert mit reichem und elegantem Rokokostuck, unterstreichen diese bereits genannten Besitzzugehörigkeiten der Kirche: die drei Nürnberger Wappen (Reichsadler, Jungfrauenadler, gespaltenes kleines Stadtwappen) und zweimal das Ebnersche Wappen. Ergänzt wird diese kreuzförmige Anordnung durch ein kleines Bild der Verkündigung Mariä.

Altar

Den Altar hat der Nürnberger Schreiner Tobias Stengel im Jahr 1708 angefertigt. Zwei gewundene Säulen umrahmen das Ölbild. Die Kreuzigungsdarstellung ist eine Kopie, die der Maler Vessel nach dem Vorbild von Peter Candid, einem bayerischen Hofmaler, herstellte. Im Giebelfeld über dem barocken Gebälk werden wir auf ein Strahlenkranzmedaillon mit den Initialen JHS aufmerksam. Es handelt sich um eine griechische Namensabkürzung (Trigramm) von Jesus.

Kanzel

Ebenfalls im Jahr 1708 wurde die Kanzel errichtet. Sie trägt Reliefs der vier Evangelisten am Korpus und reichen Dekor durch Fruchtranken und Engelsköpfe.

Pfarrertafeln

Pfarrertafeln

Eine Besonderheit sind die beiden großen Tafeln beidseits des Altars. Sie enthalten die Namen aller Regelsbacher Pfarrer seit 1573.

Die Decke im Chor wird kunsthistorisch als Kreuzrippengewölbe mit kantig profilierten Rippen, die auf gekehlten Pflöcken enden, beschrieben. Hier offenbart sich einmal mehr die Kunst der Dekoration und Ornamentik des Rokoko. Die einfühlsame Renovierung von 2011 hebt die handwerkliche Virtuosität hervor und unterstreicht mit zart abgestimmten Farben den hellen und leichten Charakter des Kunstwerks.

Eine Überraschung kam durch diese Renovierung zutage: Im Turmuntergeschoß, dem ältesten Teil der Kirche, fand man an mehreren Stellen Reste von Wandmalereien. Wieweit diese noch flächig vorhanden sind, wurde leider nicht weiter untersucht.

erste und zweite Empore

Zum Abschluss unseres Besuchs steigen wir die Treppe zur 1. Empore hoch. Bereits 1660 hat man diese neue „Porkirchen“ eingebaut. Später, 1747, erlaubte die Einwölbung der Decke auch gleich eine weitere Empore zu errichten.

Orgel

So konnte man die Orgel, die seit 1708 unterhalb der Kanzel stand, auf die für den Raumklang besser geeignete zweite Empore umsetzen. Trotz dieser Umsetzung und eini-ger Renovierungen und Erneuerungen kann man feststellen, dass der Orgelprospekt mit seiner rokokoartigen Ausschmückung erhalten blieb und so mit den Stuckornamenten der Decke bestens harmoniert.

GeuderwappenWappen Holzschuher

Auf dem Orgelprospekt sind zwei Wappen, die sich den beiden Nürnberger Patrizierfamilien Holzschuher und Geuder zuordnen lassen. Wir rätseln, was diese damals reichen Geschlechter mit unserer Kirche verbindet. Könnte es damit zusammenhängen, dass ein Martin Geuder hier Gotteshauspfleger war und eine Magdalena Geuder mit einem Fürer von Haimendorf (Schlossherr von Wolkersdorf) verheiratet war, dessen Wappen im Rankenschmuck über einer der Pfarrtafeln angebracht ist?

Kirche und Kirchhof

Mit vielen Eindrücken und erstaunt, in unserem Dorf Regelsbach ein solches Kleinod spätmittelalterlicher Wehrkirchen vorgefunden zu haben, verlassen wir die Kirche und treten durchs Torhäuschen wieder auf die Straße.

Roland Reck
Regelsbach, im Januar 2014